U. Schelling zu Cesare Ferronato
Beeindruckend sind für mich bei CF die Stimmigkeit und innere Kontinuität seines Werks. Dauer im Wechsel wäre ein Name dafür. Bei allen Wandlungen seines Schaffens, der Vielfalt der Materialien und Gattungen, der verschiedenen Impulse auch, die von andern Künstlern ausgegangen und bei ihm fruchtbar geworden sind, trotz dieser Wandlungsfähigkeit ist sein Werk spürbar zentriert, gesammelt, gemittet. Was sich in allem durchhält, ist das, was ich Lebensfreundlichkeit nennen möchte. Es gehört dazu eine Art Urvertrauen in die Natur. Man darf darin ein meditarranes und auch ein klassisches Erbe sehen. Es äussert sich etwa in der Achtung vor dem Material, dem Stein, in der Hochschätzung des rein Handwerklichen, in der Sinnlichkeit seiner figürlichen oder abstrakten Gestaltungen, in den oft üppigen Volumen, in der Feier des Weiblichen und Mütterlichen, aber auch in dem spielerischen oder schalkhaften, nie aber karikierenden Zug einiger Werkgruppen.
Zu Cesare Ferronatos spontaner Bejahungsbereitschaft gehört vor allem seine entschiedene Zuwendung zu den Menschen: zuerst zu seiner Familie, ohne die sein Schaffen kaum vorstellbar ist, Zuwendung sodann zu Freunden und Schülern und zuletzt zu den Menschen überhaupt. Mitmenschlichkeit ist bei CF ästhetisch erfahrbar und lebenspraktisch bezeugt.
Keineswegs aber ist diese welt- und menschenfreundliche Haltung nur naiver Ausdruck eines glücklichen Naturells oder eines weltfremden Idyllikers. Als Künstler wie als Zeitgenosse ist CF nämlich ein wacher und kritischer Beobachter, der seine Sicht der Dinge durchaus reflektiert und der sehr gut über sich und den Weltzustand Bescheid weiss.