Alex Oberholzer’s einführende Worte von zur Filmpremiere im Kino Riffraff am Samstag den 6. September 2008.
Herzlich willkommen verehrte Damen und Herren. Ich begrüsse Sie sehr herzlich zur Kinopremiere des Dokumentarfilmes CESARE FERRONATO-STEINBILDHAUER UND ZEICHNER. Ich begrüsse Sie im Namen der Familie Ferronato, im Namen der Regisseurin Tula Roy und ihres Co-Regisseurs und Kameramanns Christoph Wirsing, und natürlich auch im Namen des Kino Riff-Raff. Das Interesse an dieser Premiere war so gross, dass wir sie parallel in zwei Sälen durchführen müssen. Das freut alle Beteiligten. Ganz herzlichen Dank.
Mein Name ist Alex Oberholzer. Ich gebe eine ganz kurze Einführung, dann sehen Sie den Film. Anschliessend beantworten der Künstler und die Regisseurin ein paar Fragen. Zum Schluss gibt’s einen Apéro im Foyer. Dort haben Sie vielleicht auch Gelegenheit zur persönlichen Kontaktaufnahme mit dem Künstler. Ich sage vielleicht, denn ich war gestern an der Ausstellungseröffnung und es scharten sich so viele „Fans“ um Cesare, dass es gar nicht so einfach war bis zu ihm vorzudringen.
Zu Cesare Ferronato: ich kenne ihn schon ewig. Vor hundert Jahren war ich sogar mal - als junger Student - in seinem Atelier in Höngg. Cesare Ferronato wollte mir beweisen, dass ich handwerklich was tauge. Seit meiner Jugend im Kinderspital hasse ich Handarbeit. Meine Welt ist die Fantasie, wohl darum - das nur in Klammern - bin ich Filmkritiker geworden. Cesare also wollte mir ermöglichen, mein eigenes Vorurteil mir gegenüber abzubauen. Ich machte unter seiner rührenden Anleitung 3 Töpfchen auch Ton. Seither weiss ich’s definitiv: ich bin kein Handwerker.
Was mich damals in Höngg aber fundamental erschütterte, das waren die Steine. Riesige Blöcke standen da, als wären sie seit Jahrhunderten unverrückbar an den Erdmittelpunkt festgeschraubt. Und auf einen hämmerte mit grosser Geduld und Gelassenheit Cesare herum. Ausgerechnet Stein. Ausgerechnet Cesare, dieser zwar zähe, aber so zartgliedrige Mensch. Warum wählt dieser Mann den Stein als Medium?
Heute weiss ich: Stein und Cesare, das ist genau so ein Kontrast, wie ihn Cesare in vielen seiner Kunstwerke ausdrückt. Er hat Werke, die haben zwei Gesichter, zwei Leben, eine Innen - und eine Aussenwelt. Oder es gibt Figurenpaare, da bleibt in der Schwebe: haben sie Streit oder umarmen die sich? Kämpfen die oder diskutieren die?
Der Kontrast manifestiert sich aber nicht nur Inhaltlich, sondern auch im Material selbst. Der Stein ist ja nicht nur hart, er ist auch zerbrechlich. Und wenn Cesare lang genug an einem arbeitet, dann sieht man; er hat auch einen weichen Kern. Cesare bringt den Stein zum Leben. Eine Ahnung davon wie er das macht, vermittelt der Film, den Sie jetzt sehen. Viel Vergnügen mit Cesare Ferronato- Steinbildhauer und Zeichner von Tula Roy und Christoph Wirsing.